Was ist eine Persönlichkeitsstörung

Unter einer Persönlichkeitsstörung versteht man ungünstige und starre Verhaltensmuster, die so ausgeprägt sind, dass Leidensdruck entsteht oder das Funktionieren im Alltag eingeschränkt ist.  Diese Verhaltensmuster treten vor allem in der Interaktion mit anderen Menschen und werden auf Dauer zum Problem. Beispielsweise kann ein Betroffener generell so misstrauisch sein, dass es ihm nicht möglich ist, zu anderen Menschen vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Oder jemand mit ausgeprägt zwanghaften Eigenschaften eckt am Arbeitsplatz immer wieder an, weil er sehr unflexible Vorstellungen davon hat, wie bestimmte Arbeitsabläufe aussehen sollten, so dass es immer wieder zu Konflikten mit den Kollegen kommt. Natürlich gibt es fließende Übergänge von normalen, situationsangemessenen Verhaltensmustern über ausgeprägte, etwas unflexible Charakterzüge bis hin zur Persönlichkeitsstörung. Der Begriff Persönlichkeitsstörung sollte nur verwendet werden, wenn sie ein so starkes Leid oder eine so ausgeprägte Einschränkung der Funktionsfähigkeit verursachen, dass man von Krankheitswertigkeit sprechen kann. Persönlichkeitsstörungen beginnen meist im Kindes- oder Jugendalter und sind in der Regel über viele Jahre stabil, können sich aber über die Lebensspanne oder im Rahmen einer Psychotherapie verändern. Im derzeit gültigen internationalen Diagnosesystem werden acht Arten von Persönlichkeitsstörungen unterschieden (hier jeweils mit einigen, aber nicht allen Diagnosekriterien):

  •  Paranoide Persönlichkeitsstörung:
    • ausgeprägtes Misstrauen
    • Beharren auf eigenen Rechten
    • Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung:
    • Emotionale Distanziertheit
    • Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik
    • Keine engen Freunde erwünscht
  • Dissoziale Persönlichkeitsstörung:
    • Missachtung sozialer Normen
    • Niedrige Schwelle für aggressives Verhalten
    • Fehlendes Schuldbewusstsein
  • Emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
    • Tendenz zu unerwartetem Verhalten
    • Häufige Streitereien
    • Unbeständige Stimmung
  • Histrionische Persönlichkeitsstörung:
    • Theatralisches Auftreten
    • Oberflächliche, labile Affekte
    • Tendenz, im Mittelpunkt stehen zu wollen
  • Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung:
    • Ständige Beschäftigung mit Details und Regeln
    • Perfektionismus
    • Rigiditä
  • Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung:
    • Andauernde Besorgtheit
    • Überzeugung, von anderen abgelehnt zu werden
    • Bedürfnis nach Sicherheit
  • Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung:
    • Unterordnung der eigenen Bedürfnisse unter die anderer Personen
    • Furcht, verlassen zu werden
    • Eingeschränkte Fähigkeit, selbständig Alltagsentscheidungen zu treffen

Es kommen jedoch auch Mischformen dieser Persönlichkeitsstörungen oder andere Arten von Persönlichkeitsstörungen vor.  Oft wird davon ausgegangen, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen in der Kindheit hilfreiche Strategien entwickelt haben, die im Erwachsenenalter hinderlich werden. Z.B. mag ein Kind, das sich nicht auf die Familie verlassen kann, ein ausgeprägtes (und in dieser Situation angemessenes) Misstrauen entwickeln. Im Erwachsenenalter wird dieser Mensch dann vielleicht auch anderen Menschen gegenüber stets misstrauisch entgegentreten. Im Rahmen der Psychotherapie werden derartige unflexible Verhaltensmuster aufgedeckt, und es sollen neue Erfahrungen mit neuen Verhaltensweisen gemacht werden. Z.B. kann ein übermäßig misstrauischer Mensch die Erfahrung machen, dass er nicht enttäuscht wird, wenn er anderen Menschen Vertrauen entgegen bringt.