Behandlung von Patienten mit Angststörungen auf Station Balint

In der Regel wird man einem Patienten/einer Patientin mit einer Angststörung empfehlen, mit einer ambulanten Psychotherapie zu beginnen. Eine stationäre Therapie ist dann nötig, wenn die Störung sehr ausgeprägt ist (so dass der Patient z. B. das Haus alleine nicht mehr verlassen kann), wenn weitere Probleme wie eine schwere depressive Verstimmung, eine Persönlichkeitsstörung oder eine begleitende körperliche Erkrankung vorliegen, oder wenn die ambulante Behandlung keinen ausreichenden Erfolg gebracht hat. Ob eine stationäre Therapie sinnvoll ist, wird im Vorgespräch in unserer Poliklinik geklärt.

Auf unserer Station Balint kann das gesamte Spektrum der Angststörungen behandelt werden (Panikstörung, Agoraphobie, soziale und andere spezifische Phobien, generalisierte Angststörung, Ängste im Rahmen anderer Störungsbilder). Patienten mit Angststörungen nehmen am allgemeinen Behandlungsprogramm teil. Dabei dient die psychodynamische Gruppentherapie der Aufarbeitung der Hintergründe der Angst, insbesondere schwierige biographischer Erlebnisse und aktueller emotionaler Konflikte. So kann z. B. eine überbehütende ebenso wie eine überfordernde oder ablehnende Haltung der Eltern dazu geführt haben, dass sich der Patient wenig zutraut, schwierige Situationen alleine bewältigen zu können. Oft liegt auch ein innerer Konflikt zwischen dem Wunsch, andere Menschen ganz nah und sicher bei sich zu haben, und dem Bedürfnis, selbstständig eigene Ziele zu verfolgen, vor. Die Körpertherapie hilft, dem Körper wieder zu vertrauen, Kraft und Energie spüren zu können, und Entspannungen gezielt einzusetzen. In der Interaktionsübungsgruppe können schwierige oder ängstigende soziale Situationen geübt werden, z. B. eigene Wünsche zu formulieren oder sich gegen andere abzugrenzen. Die Gestaltungstherapie ermöglicht den nonverbalen Ausdruck von Gefühlen über Materialien und Farben. Einzelgespräche dienen dazu, Konkretes zu besprechen sowie neue Erfahrungen aus den Therapien zu verstehen und zu integrieren.

Zusätzlich bieten wir vor allem für Patienten mit Panikstörungen und/oder Agoraphobie eine Verhaltenstherapie im Einzelsetting über 10 Sitzungen mit Hausaufgaben und praktischen Expositionstraining an. Die Patienten lernen, dass die Reaktionen ihres Körpers natürliche (wenn auch sehr starke) Begleiterscheinungen von Angst sind, die ungefährlich sind und von selbst wieder abklingen. Sie üben, sich nicht durch unzutreffende "katastrophisierende" Gedanken in die Angst hineinzusteigern, sondern diese zu korrigieren und sich selbst zu beruhigen. Darüber hinaus üben sie (nach einiger Vorbereitung) aktiv, ängstigende Situationen aufzusuchen und durchzustehen, sowohl in Begleitung wie auch allein. Die Erfahrung, dass dabei nichts Schlimmes passiert, und dass der Patient selbst seine Ängste überwunden hat, gibt diesem Gefühle von Stolz und Selbstvertrauen zurück.

In wissenschaftlichen Evaluationsstadien konnten wir zeigen, dass diese kombinierte Behandlung von Angststörungen an unserer Klinik besonders gute Erfolge erbringt.

In der Regel gehen wir bei Angststörungen (wenn die Verhaltenstherapie im Einzelsetting indiziert ist) von einer 8-wöchigen Behandlung aus.